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Tom Siesing

Tom Siesing ist einer von rund 17000 jungen Menschen, die am Hochschulstandort Magdeburg studieren. Doch für den 25-Jährigen hört die Arbeit nicht etwa nach den Vorlesungen auf. Der gelernte Bankkaufmann, der derzeit Sozialwissenschaften an der Otto-von-Guericke-Universität studiert, hat sich in kürzester Zeit sein eigenes Label aufgebaut. Er verkauft Produkte, die alle eine Gemeinsamkeit haben: die Verbundenheit und Liebe zu Magdeburg.

Interview und Fotos: Corinne Plaga

Mittlerweile kennt fast jeder Magdeburger Dein Label Kukkies. Wie entstand die Idee dazu?
Eigentlich war die Idee zur Gründung eines Labels erst der zweite Schritt. Es fing alles damit an, dass ich wissen wollte, wie man ein T-Shirt bedruckt. Ich habe dann im Internet recherchiert und mir das Wissen selbst angeeignet. In meinem Keller habe ich erste Designs entworfen und herum experimentiert. Die eigentliche Idee zum Label kam mir erst, als mir klar wurde, wie viele Menschen ich über Facebook erreichen kann. Ende 2014 ging es dann los.

Inter.Vista, Tom Siesing, Foto: Corinne Plaga

Inter.Vista, Tom Siesing, Foto: Corinne Plaga

Du hast also in den sozialen Netzwerken deine ersten Fans gefunden?
Ja, noch bevor ich überhaupt angefangen habe T-Shirts zu bedrucken, gründete ich mitten in einer Vorlesung eine Facebook-Seite. Nach 24 Stunden hatte sie schon tausend Fans. Da war die Mission für mich klar.

Mittlerweile erreichst Du mit Deinen Facebook-Fanseiten über 30000 User. Auf der Seite Magdefakt beispielsweise, wo interessante Fakten über die Elbestadt gepostet werden, folgen dir mehr als 11000 Menschen. Wie erklärst Du Dir den Erfolg?
In einer schnelllebigen Gesellschaft, sowie wie wir sie heutzutage kennen, beschäftigen sich die Menschen mehr mit ihrer eigentlichen Umwelt. Das heißt, was direkt in meiner Heimatstadt passiert, interessiert mich mehr als die Welt da draußen. In den sozialen Netzwerken lassen sich diese Informationen schnell weiterverbreiten und man kommuniziert so gleichzeitig mit seinen Freunden. Man kann chatten, aber auch über den Newsfeed die Umwelt wahrnehmen. Das macht den Reiz aus, denke ich.

»Nach 24 Stunden hatte die Facebook-Seite 1.000 Fans.«

Das Netz ist aber auch sehr anonym. Man kann sich hinter einem Profil verstecken, egal ob es echt oder ausgedacht ist.
Ja, in einem Vis-a-Vis-Gespräch müsste man dem Gesprächspartner direkt in die Augen sehen, sodass er aufmerksam wird. In den sozialen Netzwerken kann man sich mit seiner Antwort etwas mehr Zeit lassen, ohne dass sich der andere missachtet fühlt.

Zurück zu Kukkies: Auf den Shirts, Tassen, Beuteln und Aufklebern, die Du mit dem Label verkaufst, stehen Sprüche wie »Home Is Where The Dom Is« oder »Magdeburger Kind«. Von wem sind diese Ideen und was wollt Ihr damit ausdrücken?
Die denkt sich unser zehnköpfiges Kukkies-Team aus. Wir wollen Produkte und Geschenke anbieten, die unsere Heimatliebe ausdrücken, egal wo man sich gerade befindet. Darum ist unser Topseller auch der »Magdeburger Kind«-Rucksack. Mein persönlicher Liebling ist allerdings der Kunstdruck »Magdeburg«. Er zeigt die Landeshauptstadt als moderne Stadtkarte mit zahlreichen Begriffen, die für Magdeburg stehen – vom Magdeburger Dom bis zum Barleber See. Es hat viel Zeit gekostet und das Schönste daran ist, dass man beim Anschauen immer wieder neue Wörter entdeckt. Wir lassen uns bisher nicht von anderen Produkten inspirieren. Es ist eher umgekehrt, sodass andere versuchen uns zu kopieren.

Inter.Vista, Tom Siesing, Foto: Corinne Plaga

Inter.Vista, Tom Siesing, Foto: Corinne Plaga

Und wie ist der ungewöhnliche Name Kukkies eigentlich entstanden?
Das war durch einen Zufall. Auf einer Autofahrt lag ein Keks (Anmerk. d. Red.: englisch Cookie) im Fußraum und ich dachte mir erst nichts dabei. Doch dann machte es Klick und ich dachte: Jeder mag Kekse! Warum sollte ich also nicht das Label so nennen? Aber ich wollte einen deutschen Namen daraus machen, deshalb heißt das Label Kukkies – mit K.

Auf Deiner Webseite www.kukkies.de gibt es die Rubrik »Alltagspoesie«. Was steckt dahinter?
Dabei geht es um Sprüche und Zitate, die unsere Fans im Alltag aufmuntern, aber auch zum Nachdenken anregen sollen. Das kann vor allem die eigene Lebenssituation betreffen. Grundsätzlich handelt es sich um Gedanken, die täglich in unseren Köpfen herumschwirren. Deshalb: Alltagspoesie.

Die Kukkies-Produkte präsentiert Ihr mittlerweile auf Messen, Märkten und sie werden sogar in Geschäften in Magdeburg angeboten. Das klingt nach Erfolg. Wie vereinst Du diese intensive Arbeit mit Deinem Studium?
Ja, eigentlich studiere ich nur noch nebenbei. (lacht) Ich schaffe das nur mit einem guten Zeitmanagement. Aber Kukkies ist meine Leidenschaft. Wie lange ich das Label betreiben werde, kann ich noch nicht sagen. Mein Wunsch ist es jedoch, einen Job zu haben, der eine Leidenschaft ist und keine Arbeit.

Wie reagieren Deine Mitstudenten auf dein Label?
Durchweg positiv. Viele kennen die Entwicklung ja auch von Anfang an und sind dementsprechend überrascht, dass es nun doch so ein Erfolg ist.

Denkst Du, der Erfolg wäre auch so groß ohne die sozialen Netzwerke?
Ich denke schon, nur eben auf eine andere Art. Ohne das Internet und die daraus resultierende Vermarktung bräuchte man ein höheres Werbebudget und ohne soziale Netzwerke wären vermutlich nicht so viele Produkte im vergangenen Jahr veröffentlicht worden. Immerhin reden wir hier von mehr als 100 Produkten in einem Jahr.

»Wir wollen unsere Heimatliebe ausdrücken.«

Mit dem Erfolg kommen auch oft Neider. Wurdest Du schon mal im Netz oder im Privatleben angefeindet?
Klar, negative Kritik gab es schon öfter. Trotzdem kann man diesen »Trollen« auch immer wieder den Wind aus den Segeln nehmen.

Du kommst aus Magdeburg. Kannst Du Dir vorstellen jemals woanders zu leben?
Nein, ich möchte gern hier bleiben.

Inter.Vista, Tom Siesing, Foto: Corinne Plaga

Inter.Vista, Tom Siesing, Foto: Corinne Plaga

Warum? Was ist so toll an Magdeburg?
An Magdeburg liebe ich die ländlichen Regionen und die vielen attraktiven Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. Ich kann in fünf Minuten in der Stadt sein, aber auch in einem großen Park. Die Elbe ist dabei immer im Blick. Sie ist für mich eine Art »Strom des Lebens«.

Hast Du einen Lieblingsort?
Zu meinen Lieblingsplätzen gehören der Stadtpark und die Elbtreppen. Ich bin ein klassischer Elbtreppenhocker. (lacht)

Und wenn Du etwas an Magdeburg ändern könntest, was wäre das?
Ich würde mir wünschen, dass die Behörden manchmal nicht so eingeschränkt und gerade in Bezug auf junge Menschen, bereit für Neues sind. Ich denke da zum Beispiel an die »Lasertag Arena« oder andere Bauvorhaben. Eine weitere Sache, die ich ebenfalls lächerlich finde, sind die »Bekleben verboten«-Aufkleber überall. Gerade eine beklebte Laterne macht doch die Stadt erst interessant. Des Weiteren finde ich, dass man die Bewerbung von Magdeburg als Kulturhauptstadt Europas, hätte anders gestalten müssen. Im Zuge dessen würde ich der »Otto-Kampagne« eine modernere Note verleihen.

Wenn Du einen offiziellen Werbeslogan für Magdeburg entwerfen dürftest – wie würde er lauten?
Ich würde schreiben: Magdeburg – wer will, der kann.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin noch viel Erfolg für Dein Label und Dein Studium.

Vista schon?

Tom Siesing, geboren 1990 in der Elbestadt Magdeburg, begann nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann ein Sozialwissenschaften-Studium. Er ist der Geschäftsführer des Magdeburger Labels KUKKIES und außerdem Geschäftsführer eines Behindertenvereins. Am liebsten verbringt er seine freie Zeit an den Elbtreppen am Magdeburger Schleinufer. In drei Worten beschreibt er seine Heimatstadt mit: Ich liebe es.

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