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Carola Ackermann

In ihrem Laden Fräulein Liebe lässt sie Mädchenträume wahr werden. Vor vier Jahren hat sich Carola Ackermann, studierte Designerin, mit ihrem Label selbstständig gemacht. Jedes ihrer Kleider ist ein Einzelstück, selbst entworfen und handgenäht. Doch wie steht sie eigentlich zur ›großen Liebe‹, wenn man täglich Frauen auf dem Weg zum Traualtar begleitet? Und wie sieht es mit ihrem eigenen Kleid aus? Außerdem sind wir neugierig, wie es mit der TV-Show Zwischen Tüll und Tränen läuft. 

Interview und Fotos: Larissa Jung

Bist Du eher Prinzessin oder Räubertochter?
Definitiv Räubertochter. Ich war schon immer mehr ein Junge. Als kleines Mädchen hätte ich nicht gedacht, dass ich irgendwann mal einen so weiblichen Beruf ausüben würde.

Wie kamst Du auf die Idee, Brautmode zu entwerfen?
Nach meinem Studium bekam ich ziemlich schnell eine Festanstellung in einem Brautladen. Ich war Einkäuferin, habe aber auch designt und half im Verkauf. In der Zeit wurde meiner Schwester der Heiratsantrag gemacht. Also mussten wir uns darum kümmern, das perfekte Kleid zu finden. Letztendlich bat sie mich, es zu entwerfen. Ich war immer auf Freizeitmode spezialisiert. So etwas hatte ich vorher noch nie gemacht, trotzdem wagte ich es und entdeckte ziemlich schnell meine Leidenschaft dafür. Mit dem Brautkleid meiner Schwester begann auch meine Selbstständigkeit.

»Ich finde es toll, wenn ein Brautkleid nicht immer weiss ist.«

Wer sind Deine Kundinnen, ein bestimmtes Klientel?
Von 19- bis 55-jährigen Bräuten ist alles dabei – deutschlandweit, international. Es gibt sogar Interessenten aus Boston. Das ist wirklich erstaunlich.

Schon mal dran gedacht, auch Männermode zu entwerfen? 
Der Hochzeitsanzug für Männer ist doch immer das Gleiche, nichts Individuelles, kein Vintage-Stil passend zu den Brautkleidern. Ich kann mir aber gut vorstellen, eines Tages Anzüge in meine Kollektion aufzunehmen, damit die Läden auch Alternativen anbieten können.

Hast Du Vorbilder für Deine Mode? 
Ich finde den Stil vieler Designer schön und gucke, was gerade im Trend ist oder sein wird. Aber ich habe keinen bestimmten Designer, den ich verfolge. Mein Stil geht auch ein bisschen in eine andere Richtung, da ich viel mit Farben arbeite. Ich verbinde den Vintage-Stil mit eigenen Vorlieben. Ich finde es toll, wenn ein Brautkleid nicht immer weiß ist.

Inter.Vista, Carola Ackermann, Foto: Larissa Jung

Inter.Vista, Carola Ackermann, Foto: Larissa Jung

Was magst Du gerne an Deinem Job, was eher nicht?
Ich liebe den Umgang mit Kunden, und dass ich kreativ sein darf. Hier kann ich einfach mein gelerntes Handwerk ausleben. Nicht so gut finde ich, dass man wirklich selbst und ständig arbeiten muss. Wenn Kunden mal nicht so freundlich sind, nimmt man das Negative mit nach Hause.

Hast Du Helfer, die Dich unterstützen?
Bisher habe ich keine Angestellten, möchte das aber ändern. Viel Unterstützung bekomme ich von meiner Familie. Meine Mama ist selbst sehr kreativ und hilft mir ab und zu.

Wie läuft der Arbeitsprozess bei einem maßgeschneiderten Kleid?
Es ist ein sehr langer Prozess, die Braut sollte mindestens ein halbes Jahr vor der Trauung das erste Mal bei mir gewesen sein. Beim ersten Treffen lernen wir uns kennen und besprechen die Vorstellungen der Braut. Sie probiert Musterkleider an und ich mache bereits ein bis drei Skizzen. Wenn der Entwurf steht, suche ich passende Stoffe aus und kalkuliere den Preis. Sobald die Anzahlung von circa 50 Prozent eingeht, konstruiere ich den Schnitt nach den Maßen der Braut. Dann gibt es die Anprobe, bei der das Kleid körpernah an der Kundin abgesteckt wird. Es ist mir sehr wichtig, dass meine Kunden mir vertrauen und wir ein freundschaftliches Verhältnis pflegen. Wenn die Sympathie beim ersten Treffen nicht stimmt, sollte man es lieber lassen.

Soll Dein Geschäft expandieren? 
Ja, ich bekam mittlerweile schon mehrere Anfragen von Brautläden, die meine Kleider gerne in ihr Angebot aufnehmen möchten. Deshalb arbeite ich intensiv daran, meine eigene Kollektion auf die Beine zu stellen. Bisher habe ich ja nur Inspirationskleider, die kann man nicht vervielfältigen. Das wird sich bald ändern. Ich suche schon Stoffhändler aus, die mir ihre Stoffe garantieren können, damit ich diese nachbestellen kann. Stück für Stück möchte ich von der Maßanfertigung weggehen. Später wird es circa ein bis zwei Kollektionen pro Jahr mit fünf bis sechs Kleidern geben, die es dann deutschlandweit zu kaufen gibt.

Glaubst Du, dass Deine Karriere in einer anderen Stadt anders verlaufen wäre?
Durch meine Präsenz in der Sendung Zwischen Tüll und Tränen ist es egal, in welcher Stadt ich bin. In Köln gibt es auch viele Designer, die einen ähnlichen Stil haben, Victoria Rüsche zum Beispiel. In Magdeburg und Umgebung war ich lange die Einzige. Wenn die Sendung nicht gewesen wäre, hätte ich sicherlich in einer anderen Stadt zunächst besser Kundschaft gewinnen können. Zu Beginn kamen die meisten Kunden eher aus Berlin, Braunschweig oder Hannover.

Ist es für Dich denkbar, Deinen Laden an einem anderen Ort zu führen? Wo wäre das? 
Leipzig. Auch viele Bekannte und Kunden sagen, dass die Art meines Ladens nach Leipzig passen würde. Es kommt aber auch darauf an, wo mein Freund arbeitet. Ich bin offen für alles. Auf dem Dorf könnte ich es mir auch gut vorstellen. Die Kunden kommen ja gezielt zu meinem Laden, deshalb würde das keinen Unterschied machen. Eine Scheune oder ein Bauernhof wäre toll, das würde gut zu dem Stil meiner Kleider passen.

Inter.Vista, Carola Ackermann, Foto: Larissa Jung

Inter.Vista, Carola Ackermann, Foto: Larissa Jung

Du kommst nicht aus Magdeburg, wie bist Du auf die Idee gekommen, hier einen Laden aufzumachen? 
Ich wusste immer, dass Gardelegen nicht der Ort ist, an dem ich den Durchbruch schaffe. Letztendlich lag es an meinem damaligen Freund, dass ich nach Magdeburg zog und hier bleiben wollte. Ich hatte nichts zu verlieren, vorher habe ich in Stendal gearbeitet und mit der Entfernung machte das keinen Unterschied.

Wie kam es zu Deiner Mitwirkung in der VOX-Sendung Zwischen Tüll und Tränen? 
Das war ganz verrückt! VOX rief mich im April 2016 an, da hatte ich noch nicht mal meinen eigenen Laden, den eröffnete ich erst im Juli des Jahres. Aber ich bin damals immer an den leeren Räumen vorbeigegangen und checkte, ob sie noch frei sind. Nach einem Besichtigungstermin habe ich VOX zugesagt. Wenn ich bei Tüll und Tränen mitmache, bekomme ich viel Werbung. Deshalb ging ich diesen Schritt und traute mich.

Wie ist das bei den Dreharbeiten?
Ich bin wirklich immer aufgeregt. Man gewöhnt sich nie daran, jeder Dreh ist wie der erste. 

»Man muss einen Menschen kennen, um ihn wirklich zu lieben.«

Gibt es Bräute, die nur wegen der medialen Präsenz bei Dir landen?
Durch die Sendung bekomme ich Kundschaft aus ganz Deutschland. Alle sind ganz aufgeregt, seit ich im Fernsehen bin. Viele wollen oft auch nur gucken. Aber, so viel Kundschaft ich auch haben mag, es kommen nicht alle Aufträge zustande. Viele sagen hinterher doch ab.

Erkennen Dich die Leute, sprechen sie Dich auf der Straße an? 
Wirklich selten. Manchmal tuscheln einige, aber direkt angesprochen wurde ich kaum. Ich betrachte mich nicht als Prominenz, ich bin eher peinlich berührt.

Wie läuft das ab, wenn das Fernsehteam in Deinem Laden ist?
Es sind in der Regel drei Leute: Autorin, Kameramann, Tontechniker. Manchmal sind noch Praktikanten am Set, da es bei uns doch ruhiger und überschaubarer ist. Es funktioniert wirklich gut, alle hängen wie ein Tropfen zusammen und bewegen sich ganz langsam. Der Tontechniker ist mit dem Kameramann verbunden und die Autorin muss immer unmittelbar neben der Kamera stehen, damit man sie anguckt, statt in die Kamera. Es muss sogar ein bestimmter Winkel sein.

Wenn Du keine Kleidung entwerfen würdest, was wäre die Alternative?
Wahrscheinlich Erzieherin im Kindergarten. Ich kann mir nicht vorstellen in einem Büro zu sitzen. Irgendwas Soziales auf jeden Fall, bei dem ich kreativ sein kann. Aber nichts Medizinisches, Blut kann ich nicht sehen.

Bist Du hoffnungslos romantisch?
Ich weine schnell, aber mir fällt es schwer, tiefe Gefühle zu zeigen.

Glaubst Du an die eine große Liebe?
Der Mensch ist dazu ausgelegt, sich fortzupflanzen. Egal wie lange man zusammen ist, man kann sich sehr schnell wieder entlieben. Ich bin da sehr realistisch, trotz meines Berufs und meiner Familie, die mir eigentlich zeigt, dass es wirklich klappen kann. An Liebe auf den ersten Blick glaube ich nicht, man muss einen Menschen kennen, um ihn wirklich zu lieben.

»Als kleines Mädchen hätte ich nicht gedacht, dass ich irgendwann mal einen so weiblichen Beruf ausüben würde.«

Du bist nicht verheiratet, aber hast Du den Mann fürs Leben schon gefunden?
Ja, ich habe einen Freund, mit dem ich mir auch alles Weitere vorstellen könnte. Heiraten, Kinder … Wir haben schon öfter darüber gesprochen.

Wie wird Dein Brautkleid aussehen? 
Darüber denke ich praktisch täglich nach. Für mich ist es schwierig, etwas Passendes zu finden. Ich kenne die Stile und Schnitte, im Endeffekt ist alles schön. Ich würde es davon abhängig machen, wo und zu welcher Jahreszeit wir heiraten. Es sollte alles stimmig sein. Ich werde es auf jeden Fall selber nähen. Aber die letzten Stiche muss jemand anderes machen, da es sonst Unglück bringt. Den Saum wird ein anderer übernehmen.

Unter den vielen Kleidern, die Du entworfen und genäht hast, gibt es da ein Lieblingskleid?
Ich habe mehrere. Mein Favorit ist wohl das Kleid meiner Schwester, das ich zu Beginn meiner Karriere entwarf. Ich stehe hinter jedem meiner Kleider, aber es gibt nur zwei bis drei, in denen ich auch selber heiraten würde.

Was magst Du besonders gerne an Magdeburg?
Ich bin schon immer gerne draußen, deshalb liebe ich den Sommer hier, denn da sind die Möglichkeiten unendlich. Ich fahre gerne Fahrrad und bin viel in der Datsche. Ich genieße das Wetter und die Freizeit mit meinen Freunden.

Gab es Momente, in denen Du dachtest, es wird Dir alles zu viel?
Absolut. Letztes Jahr war es eine Zeit lang so schlimm, da habe ich mich überschätzt und nahm zu viele Aufträge entgegen, so dass ich Panikattacken hatte. Ich habe meistens im Laden geschlafen, weil ich dachte, dass ich es sonst nicht schaffe. Aus 2017 habe ich sehr viel mitgenommen für das neue Jahr.

Januar 2018
Interview aus INTER.VISTA 5

 

Vista.Schon?

Carola Ackermann, Jahrgang 1988, kommt aus Gardelegen in der Altmark. Ihre Mitwirkung in der VOX-Serie Zwischen Tüll und Tränen verhalf ihr nicht nur in Magdeburg zu einiger Bekanntheit. 2014 hat es sie der Liebe wegen nach Magdeburg verschlagen. Im selben Jahr rief sie auch ihr Label Fräulein Liebe ins Leben, nachdem sie das Brautkleid ihrer Schwester entwarf und nähte. 2016 folgte der eigene Laden, der sich mittlerweile in der Otto-von-Guericke-Straße in der Altstadt befindet. Carolas Kleider sind alle maßgefertigte Einzelstücke. Magdeburg ist für sie in drei Worten: Anfang, Entwicklung, Zuhause.

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